Sehr geehrte Damen und Herren,

 

leider muss der diesjährige Glasaalbesatz aufgrund von Besatzmaterial Mangel bzw. daraus resultierender utopischer aufgerufener Preisvorstellungen der Lieferanten abgesagt werden.

 

Wir versuchen in jedem Jahr einen guten Deal für Sie zu verhandeln, leider hat dies in diesem Jahr nicht so gut funktioniert.

 

Am Anfang der Glasaal Saison sah alles noch recht gut aus, aber dann gab es ab Mitte März bis in den ganzen April hinein eine Kältewelle in den Fanggebieten. Die Fänge brachen ein, die Preise explodierten und die Lieferanten spielten Ihre Kunden gegeneinander aus.

 

Ich habe daraufhin beschlossen, da machen wir einfach nicht mit, wir zahlen faire Preise und nehmen große Mengen ab, wenn Fischlieferanten denken Sie können machen was Sie wollen und Preise auf unseriöse Art und Weise per Telefon mal kurzerhand um 100 % erhöhen, ohne uns.

 

 

Daher muss der Glasaalbesatz in diesem Jahr leider ausfallen!

 

Ich hoffe Ihr vertraut uns im nächsten Jahr trotzdem wieder bei eurer Bestellung für den dann hoffentlich wieder durchgeführten Glasaalbesatz 2022

 

LG

Hans

 

**********************

Fischereiverband Mittelfranken e.V.

Maiacher Straße 60 d

90441 Nürnberg

Tel.: 0911 / 4248010

Fax: 0911 / 42480113

Email: info@fv-mfr.de

Homepage: www.fv-mfr.de

 

Von: Hans Padberg <hans.padberg@fv-mfr.de>
Gesendet: Samstag, 15. Mai 2021 08:16
An: Fischereiverband Mittelfranken <info@fv-mfr.de>
Betreff: Leider Kein Glasaalbesatzmaterial für 2021

 

Wissenschaftlichen Ergebnisse zur Satzfischgröße beim Aalbesatz

Heutzutage können die an der Küste ankommenden Jungtiere (Glasaale) unserer einheimischen Aale (Anguilla anguilla) durch den Verbau der Gewässer mit Wehren, Schleusen, Wasserkraftwerken usw. nicht mehr uneingeschränkt die Flüsse landeinwärts hochwandern und somit unsere Binnengewässer besiedeln.

Außerdem ist seit den 80er Jahren ein starker Bestandsrückgang beim Europäischen Aal im gesamten Einzugsgebiet zu beobachten, je weiter landeinwärts desto dramatischer die negative Bestandsentwicklung. Deshalb ist es mehr denn je notwendig geworden, Aale zur Bestandserhaltung und zur Sicherung der Erwerbs- und Angelfischerei in unsere Binnengewässer zu besetzen. Systematische Untersuchungen zur Effektivität von Aalbesatz sind jedoch leider immer noch sehr rar. Als Besatzmaterial bzw. Satzfischgrößen stehen Glasaale, Farmaale (in speziellen Warmwasserzuchtanlagen aufgezogene Glasaale) und Satzaale zur Auswahl. Bei Satzaalen handelt es sich i.d.R. um Wildfänge größerer Gelbaale (50 – 120 g), gegenwärtig steht diese Besatzform aber nur noch in sehr begrenzten Mengen zur Verfügung.

Damit stellt sich den meisten Vereinen und Gewässerwarten die Frage, ob es sinnvoller ist ihre anvertrauten Gewässer mit Glasaalen oder den etwas größeren Farmaalen zu besetzen.

Da Farmaale (12 - 16 cm) größer als Glasaale (5 - 8 cm) sind, wird davon ausgegangen, dass beim Besatz mit Farmaalen mit geringeren Stückverlusten zu rechnen ist und sie in kürzerer Zeit zum Speiseaal (Schonmaß: 50 cm) heranwachsen. Überprüft wurde diese Annahme in den letzten Jahren durch verschiedenste Besatzfeldexperimente, federführend dabei ist das Institut für Binnenfischerei e.V. Potsdam-Sacrow. Ziel dieser Feldversuche war es, das Wachstum und die Überlebensrate von Farmaalen gegenüber Glasaalen nach einem zeitgleichen Besatz in verschiedenen Seen zu verfolgen.

 

Zu den Ergebnissen dieser Feldversuche:

Die Wiederfangrate der besetzten Aale variierte in den ersten Jahren nach dem Besatz außerordentlich. Sie betrug bei den mit Glasaalen besetzten Gewässern zwischen null bis 127 Individuen je Gewässer und Jahr. Bei den mit Farmaalen besetzen Gewässern zwischen null bis 60 Individuen je Gewässer und Jahr. Die durchschnittliche Wiederfangrate stieg bei den Glasaalen in den ersten vier Jahren nach dem Besatz kontinuierlich und deutlich von vier auf 53 Aale pro Gewässer und Jahr an. Bei den Farmaalen schwankte die durchschnittliche Wiederfangrate im gleichen Zeitraum dagegen nur zwischen vier und zehn Aalen pro Gewässer und Jahr.

Das Wachstum, die Körperlänge von Glasaalen nimmt kontinuierlich zu und betrug bereits zwei bis drei Jahre nach dem Besatz 18,6 – 34,5 cm. Farmaale zeigten hingegen ein diskontinuierliches Wachstum auf. Nur bei zwei von 7 Gewässern der Feldversuche stieg die mittlere Körperlänge über die Jahre kontinuierlich an. In allen anderen Seen war kein oder nur ein geringer jährlicher Zuwachs in der Körperlänge zu beobachten. Die mittlere Körpermasse der Farmaale nahm in drei Seen im ersten Jahr sogar ab. Fünf Jahre nach dem Besatz betrug die mittlere Körperlänge der Farmaale 17,9 cm – 34,3 cm. Zum Besatzzeitpunkt waren die Glasaale mit durchschnittlich 7,2 cm deutlich kleiner als die Farmaale mit durchschnittlich 15,2 cm. In den ersten Jahren weisen Glasaale ein besseres Wachstum als die Farmaale auf. Bereits vier Jahre nach dem Besatz konnten deshalb in vier von den sieben Seen keine Unterschiede mehr in der mittleren Körperlänge zwischen den beiden Besatzformen festgestellt werden.

Ganz allgemein wachsen kleinere Fische schneller als größere der gleichen Art, das sollte allen Gewässerbewirtschaftern bekannt sein, aber Fischereibiologen konnten eine weiter Ursache dieses unterschiedlichen Wachstumsverhaltens zwischen Glasaalen und Farmaalen herausfinden.

Adaption an / von Naturnahrung, für das schlechtere Wachstum der Farmaale könnte eine geringere Futteraufnahme von Naturnahrung ebenfalls eine Ursache sein. In den herkömmlichen Aalfarmen kommen die Aale als Glasaale in die Aufzuchtbecken. Dort werden sie nach der Anfütterungsphase nur noch mit Trockenfutter gefüttert. Das bedeutet wiederum geregelte Fütterungszeiten, keine aktive Nahrungssuche, kein Kontakt mit natürlicher Lebendnahrung. Bei den Farmaalen deuten die geringen Zuwachsraten und der anfängliche Rückgang bei der Kondition nach dem Besatz zusammen mit einem festgestellten hohen %-Anteil leerer Mägen und einem deutlich geringeren Nahrungsspektrum als die Glasaale darauf hin, dass die Farmaale eine gewisse Zeit benötigen, um sich von Trockenfutter wieder auf natürliche Nahrung umzustellen. In der ersten Zeit können die Glasaale noch von ihren Fettreserven leben und weisen deshalb einen deutlich geringeren Zuwachs und einen vergleichsweise schlechten Ernährungszustand auf. Bei den durchgeführten Feldexperimenten wurde die eben beschriebene Adaptationsphase der Farmaale deutlich sichtbar. Während die Glasaale beim Wiederfang meist gut genährt aussahen, wurden bei den Farmaalen anfangs häufig schlanke bis abgemagerte Exemplare wiedergefangen.

 

Die Überlebensrate, nach wissenschaftlichen Erkenntnissen liegt bei einem kontinuierlichen jährlichen Besatz von drei bis sechs Jahren zwischen 5 % – 45 % bei den Glasaalen und von 8 % – 17 % bei den Farmaalen. Der Prozentsatz überlebender Aale schwankte dabei nicht nur zwischen den Gewässern, sondern auch zwischen den Jahrgängen innerhalb eines Gewässers sehr stark. Die für die Farmaale bestimmten Überlebensraten waren im Vergleich zu den Glasaalen nicht (wie erwartet) höher, sondern annähernd vergleichbar oder teilweise sogar niedriger.

 

Das Fazit: Aus den Ergebnissen der Untersuchungen vom Institut für Binnenfischerei in Potsdam-Sacrow - federführen war dabei Herr Dr. Janek Simon  - „Haben Farmaale nach dem Besatz ein Adaptionsproblem an Naturnahrung“ aus dem Jahr 2014 lässt sich schließen, dass Farmaale wegen ihrer schon etwas größeren Körpergröße nicht zwangsläufig ein besseres Wachstum und eine höhere Überlebensrate aufweisen als Glasaale, wenn die Glasaale zu einem günstigen Zeitpunkt im Frühjahr besetzt werden. Des Weiteren lässt sich aus den Ergebnissen ableiten, dass die Farmaale möglicherweise eine gewisse Zeit benötigen, um sich von Trockenfutter auf natürliche Nahrung umzustellen.

 

Der Fischereiverband Mittelfranken e.V. würde aus den eben gennannten Gründen einen Besatz von Glasaalen dem Besatz von Farmaalen immer vorziehen und wir werden auch in Zukunft unseren Mitgliedsvereinen bei einer Beratung immer den Besatz von Glasaalen empfehlen.

 

PS: Liebe Mitgliedsvereine leider konnten wir in diesem Jahr für euch keine Glasaale zu einem vernünftigen, fairen noch aus unserer Sicht akzeptablen Preis beschaffen, und haben uns zudem aus naturfachlicher Sicht gegen einen Besatz von im Verhältnis noch deutlich teureren Farmaalen entschieden. Wir hoffen trotzdem, dass ihr eure kontinuierlichen Aalbesatzmaßnahmen im nächsten Jahr weiterführen werdet und hoffen auf rege Beteiligung.

 

Hans Padberg

Diplom Biologe

-- 
`·.¸¸.·´¯`·.¸¸.·´¯`·.¸¸.·´¯`·.¸ ><((((º>
 
Hans Padberg
Diplom Biologe
Fischereiverband Mittelfranken e.V.